Die katholische Kirche des Bistums Dresden-Meißen befindet sich gegenwärtig in einem „pastoralen Erkundungsprozess“. Dabei sind die Pfarrgemeinden und die sogenannten „Kirchlichen Orte“ eines pastoralen Raumes aufgerufen, miteinander  zu erkunden, was es für sie bedeutet, gemeinsam „Kirche“ in ihrem pastoralen Raum zu sein. Da es dabei um die Wahrnehmung ihrer Verantwortung füreinander und für die Menschen, in deren Mitte wir leben, geht, wurde für diese Gemeinschaften der Übergangsbegriff „Verantwortungsgemeinschaft“ gewählt. Dieser lässt Raum für zukünftige dauerhafte Entwicklungen und beschreibt dennoch ein wichtiges Anliegen der hier zusammenarbeitenden Pfarrgemeinden und „Kirchlichen Orte“.

Als „Kirchliche Orte“ werden Einrichtungen in katholischer und ökumenischer Trägerschaft, Initiativen und Gemeinschaften außerhalb der Pfarreistruktur bezeichnet, die an ihrem jeweiligen Ort „Kirche“ sind.

In diesem Bereich unserer Webseite finden Sie einige Grundsatzdokumente der Verantwortungsgemeinschaft Dresden-Johannstadt/Striesen/Zschachwitz.

Gemeinsames Kirchenbild als Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit in der VG Dresden-Johannstadt/Striesen/Zschachwitz

Die katholischen Pfarrgemeinden und die in katholischer oder ökumenischer Trägerschaft stehenden Kirchlichen Orte im Gebiet der Verantwortungsgemeinschaft Dresden-Johannstadt/Striesen/Zschachwitz haben als Grundlage für ihre zukünftige Zusammenarbeit das nachfolgend beschriebene Bild von „Kirche“ skizziert: 
Die Pfarrgemeinden und die kirchlichen Orte sind gemeinsam „Kirche am Ort“. Sie sind dies aber auf deutlich unterschiedliche Weise. In der Wahrung und gegenseitigen Respektierung dieser Unterschiedlichkeit arbeiten sie in der Verantwortungsmeinschaft in ihrem gemeinsamen Auftrag als Kirche zusammen.

Die Pfarrgemeinden und die gemeindenahen Kirchlichen Orte sehen als wesentliche Elemente von Kirche an:

  • Eine menschliche und geistliche Beheimatung durch Gottesdienst und lebendiges Gemeindeleben, für das ein Team von Haupt- und Ehrenamtlichen gemeinsam Verantwortung trägt. Jede/r einzelne Christ/in ist aufgrund von Taufe und Firmung zur Mitgestaltung berufen. Dadurch sind eine Vielfalt von Beziehungen untereinander und eine ortsnahe Seelsorge möglich.
  • Aus dieser Beheimatung erwächst die Fähigkeit zur Offenheit nach außen, sowohl in die Ökumene der christlichen Kirchen als auch gegenüber unseren nichtreligiösen oder andersreligiösen Mitmenschen, in fruchtbarer Zusammenarbeit mit den anderen kirchlichen Orten. Die Sorge um die vielfältigen menschlichen Nöte hat dabei einen hohen Stellenwert. 
    Strahlkraft nach außen entspringt aus dem inneren geistlichen Leben als Christen mit Jesus Christus. Für katholische Christen ist dabei die Feier der Eucharistie von hoher Bedeutung.

Die Kirchlichen Orte in der Vielfalt ihrer sozialen, pädagogischen oder medizinischen Aufgaben sehen als wesentliche Elemente ihres Kirche-Seins an:

  • Die Priorität ihres jeweils spezifischen Auftrages und der dazu notwendigen organisatorischen Struktur. Dieser spezifische Auftrag leitet sich aus dem christlichen Menschenbild und der christlichen Botschaft ab. Bei seiner Erfüllung stellt die Zusammenarbeit von Christen und Nichtchristen den Normalfall dar.
  • Diese Zusammenarbeit von Christen und Nichtchristen erfordert die Möglichkeit zu unterschiedlicher Nähe und Distanz zum „Kern der Kirche“ („Wort & Sakrament“). Gleichzeitig ist eine sinnvolle und vielfältige Zusammenarbeit, Kommunikation und Vernetzung mit den Pfarrgemeinden und den anderen Kirchlichen Orten wichtig.

In dieser Vielfalt unserer Berufungen sind wir als Menschen und für die Menschen gemeinsam Kirche im Gebiet von Dresden-Johannstadt/Striesen/Zschachwitz.

Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Pfarrei für drei Gemeinden

Bei seinem Besuch in unserer Verantwortungsgemeinschaft am 11.2.2017 und in einem kurz davor an alle Pfarreien unseres Bistums verschickten Brief hat unser Bischof Heinrich Timmerevers den von Bischof Koch begonnenen Erkundungsprozess grundsätzlich bestätigt und zugleich in wichtigen Punkten konkretisiert. Was dies für unsere drei Pfarrgemeinden von Dresden-Johannstadt, -Striesen und -Zschachwitz bedeutet, möchte ich hier kurz skizzieren:

Für uns wie für das ganze Bistum gilt, dass die gegenwärtig in einer Verantwortungsgemeinschaft zusammen arbeitenden Pfarreien zukünftig eine neue gemeinsame größere Pfarrei bilden werden. Dies soll jeweils in Form einer Neugründung geschehen, da sich auch der Charakter dieser neuen Pfarreien von dem der bisherigen grundlegend unterscheiden wird: Während bisher eine Pfarrei normalerweise die äußere Form für das Leben einer Pfarrgemeinde bildete, so werden die zukünftigen größeren Pfarreien jeweils das gemeinsame Dach für mehrere in ihr lebende Ortsgemeinden sein. Diese Ortsgemeinden – das sind im Normalfall die bisherigen Pfarrgemeinden – bilden auch zukünftig den wichtigsten Ort kirchlichen Lebens. Die größere Pfarrei soll dem Gemeindeleben vor Ort subsidiär dienen, sie hat also eine unterstützende Funktion. Bischof Timmerevers fasste dies am 11.2. in die Kurzformel: „Soviel auf der Ebene der Ortsgemeinde wie möglich – und soviel auf der Ebene der Groß-Pfarrei wie nötig.“ Die Neugründungen dieser größeren Pfarreien sollen im ganzen Bistum Schritt für Schritt zwischen Advent 2017 und Sommer 2020 erfolgen. Bischof Timmerevers will jede dieser Pfarreigründungen persönlich mit den Gemeindegliedern am jeweiligen Ort begehen. Über den von uns gewünschten Zeitpunkt werden sich unsere drei Pfarrgemeinderäte in der kommenden Zeit verständigen; nach Lage der Dinge wird es wohl eher ein späterer Termin innerhalb des vom Bischof gesetzten Zeitfensters sein.

Für die Leitung der Gesamtpfarrei wird dann jeweils ein Priester als Pfarrer verantwortlich sein, während die Seelsorge zusammen mit weiteren Priestern und Gemeindereferent/innen durch ein für die ganze Pfarrei zuständiges Pastoralteam geschehen wird. Die Wahl der Leitungsgremien soll dabei in einem demokratischen Prozess von unten nach oben erfolgen: Die Ortsgemeinde wird zukünftig einen örtlichen Gemeinderat wählen, der für das Gemeindeleben vor Ort zuständig ist. Aus diesem entsandte Vertreter werden den Pfarreirat bilden, dem die Koordinierung der gemeinsamen Aktivitäten obliegt. Für die genauen Formen und Benennungen dieser Gremien wird gegenwärtig eine neue Ordnung erarbeitet. Die bistumsweiten Wahlen dieser Räte sollen nach Abschluss aller Strukturveränderungen im Herbst 2020 stattfinden; für die Zeit von 2018, wenn die Amtsperioden der bisherigen Pfarrgemeinderäte auslaufen, bis 2020 müssen Übergangslösungen gefunden werden.

Die Zusammenarbeit mit den auf dem Gebiet der Pfarrei bestehenden kirchlichen Einrichtungen – der sogenannten „Kirchliche Orte“ – soll auch in Zukunft ein wesentlicher Pfeiler des kirchlichen Lebens sein; den Rahmen dafür werden dann weiterhin die Verantwortungsgemeinschaften bilden. Die über viele Jahrzehnte auf Gemeindeebene gewachsene ökumenische Zusammenarbeit wird überwiegend auch weiterhin dort ihren Platz haben.

In den kommenden Jahren werden wir also viele Veränderungen in unserem kirchlichen Leben erleben, wir werden sie aber auch mitgestalten können. Dazu wird es wichtig sein, dass jeder einzelne Christ und jede einzelne Christin ihre Mitverantwortung aufgrund von Taufe und Firmung wahrnimmt und einbringt.

Pfarrer Michael Gehrke

(Pfarrer der Pfarrei „Hl. Familie“ Dresden-Zschachwitz und Leiter der Verantwortungsgemeinschaft)

aktuelle diözesane Dokumente zum Erkundungsprozess

Handreichung des Bistums Dresden- Meißen: "Auf dem Weg zur Neugründung von Pfarreien"